Am 8.8. war ich zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen auf der Seebühne. Dieses Jahr wird Aida aufgeführt. Hatte ich noch nie gesehen, darum fehlt mir der Vergleich (dies gleich vorweg). Die Handlung wurde auf 2 1/4 Stunden gekürzt, gespielt wird auf der Seebühne ohne Pause. Und ohne Dach, womit wir beim Thema wären
Wir waren bei mittelprächtigem, aber trockenem, Wetter losgefahren. Schon unterwegs erhielten wir die Nachricht, dass es am Bodensee regnet. Um genau zu sein: Es goss wie aus Kübeln. Was einen der Mitgereisten zu der Aussage veranlasste, wir könnten auch gleich im Hotel bleiben. Der hatte allerdings meinen Optimismus unterschätzt! Ich erklärte voller Überzeugung, dass es in einer Stunde aufhören würde zu regnen (was mir natürlich keiner glaubte). Naja, so ganz hat es nicht hingehauen, aber rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn hörte der Regen auf.
Wir gingen also rauf auf die Tribüne und machten es uns bequem. Sitzkissen, Decke über die Lehne legen (sonst wird’s empfindlich kalt am Rücken), Regenjacke vorsichtshalber schon mal auf den Schoß. Ich hatte trotzdem nach zehn Minuten Rückenschmerzen, was mir noch nie passiert ist. Die Sitze sind leider gnadenlos unbequem… Egal. Die Seebühne ist ein tolles Erlebnis. Vom Bühnenbild habt Ihr vielleicht schon die blauen Füße gesehen. Das ist ein Teil der Freiheitsstatue (jaaa!), andere Teile davon liegen vor der Bühne im See herum. Das lässt ja schon mal auf Amerika-Kritik schließen oder zumindest darauf, dass die Politik der letzten Jahre thematisiert wird. Was das mit Ägypten und Äthiopien zu tun hat, hat sich mir leider nicht ganz erschlossen (ok, Unterdrückung, Feindschaft, Gewalt, blabla – aber da findet man ja bei jedem was…). Auf ein paar der Anspielungen hätte ich dann auch verzichten können. Dass die Sklaven schwarze Säcke über dem Kopf tragen, lässt sich ja noch begründen. Aber dass Amneris immer ein oder zwei Sklaven an der Hundeleine mit sich führt, ist ein bisschen zu sehr Abu Ghuraib. Und dass die gefangenen Äthiopier in orangenen Jacken im Guantanamo-Style rumlaufen: Kann man machen, muss man aber nicht.

(c) Bregenzer Festspiele
Nett war, wie der See in die Inszenierung mit einbezogen wurde. Die Sänger standen mindestens die Hälfte der Zeit im Wasser, Sklaven wurde in selbiges auch gerne mal reingeworfen, Amonasro versteckte sich im See und man sah nur noch den Kopf. Außerdem fuhren immer mal Schiffe, sogar der Elefant kam per Boot :-) Zwei Kräne hoben gelegentlich Teile der Freiheitsstatue hoch. Am Ende entschwebten auch Radames und Aida in einem Boot gen Himmel. Im Original werden sie eingemauert – und so ist es auch irritierend, wenn Radames singt, jetzt werde der Stein auf das Grab gelegt, und dabei im offenen Boot nach oben schwebt. Aber eine nette Idee.
Insgesamt war es also toll. Und der Regen fing auch erst im letzten Viertel der Vorstellung wieder an. Ganz leicht (und penetrant). Dank isolierter Picknickdecke über den Beinen, Regenjacke und Kapuze auf dem Kopf war das aber kein Problem.
Zvetelina Vassileva als Aida war super, ließ aber ganz am Ende etwas nach. Guang Yang als Amneris hielt bis zum Schluss durch, kam aber imho trotzdem nicht an Vassileva heran. Philip Webb als Radames überzeugte mich am Anfang nicht ganz, später aber umso mehr. Vittorio Vitellials als Amonasro hat mir gut gefallen.