Archiv für die Kategorie ‘linie 1’

h1

Erinnerungen an die gute alte Zeit

19. Oktober 2009

oder: Gedanken zum Straßenbahnfahren in Zeiten der Schweinegrippe

Damals, als hier noch die Straßenbahnen der älteren Generation fuhren, wurden auf „meiner“ Linie morgens und abends je zwei Bahnen aneinander gehängt. So hatten wir zwar noch immer nicht alle einen Sitzplatz, aber immerhin mehr oder weniger Platz zum Atmen. Eher mehr, würde ich im Rückblick sagen.

Heute gibt es neuere, modernere Bahnen. Sie sind etwa 1,5mal so lang wie die alten Bahnen. Und natürlich werden jetzt keine Züge mehr aneinander gehängt. Wir quetschen uns einfach alle in eine Bahn. Die Linie fährt an diversen Berufsschulen und Gymnasien vorbei, an der Universität, dem Hauptbahnhof – und es ist die einzige Linie, die zur Fachhochschule fährt. Man kann sich also vorstellen, wie voll es morgens zwischen sieben und acht bzw. abends zwischen fünf und sechs ist.

Heute Morgen zum Beispiel konnte man mal wieder nicht umfallen, weil es einfach zu voll war dafür. Sehr süß waren übrigens die Fahrkarten-Kontrolleure, die meinten, sie müssten sich trotzdem irgendwie durch die Menge arbeiten.

Im Büro begrüßte mich dann – quasi passend zu den gerade ausgestandenen Viren- und Bakterien-Angriffen – das Schweinegrippe-Vorsichtsmaßnahmen-Plakat am schwarzen Brett. Punkt 8: Meiden Sie Menschenansammlungen. Vielleicht bleibe ich einfach die nächsten Wochen zuhause, bis die Schweine-Gefahr gebannt ist…

h1

Sommer in der Straßenbahn

28. August 2009

„Her, der kennt awwer aa mol die Klima-Aalaach aamoche, da verschdiggsch jo!“

Sie hatte ja so Recht, die Dame, die diese weisen Worte sprach…

h1

Geht gar nicht

16. Juli 2009

Bei 30 Grad im Schatten in der Straßenbahn Döner essen. Ich hätte den Kerl erwürgen können.

h1

Gegenwind

4. April 2009

An der Straßenbahnhaltestelle steht eine kleine Rotznase ein etwa 10jähriger Junge, der sich in der zum Glück noch nicht olympischen Disziplin des Weitspuckens übt. Obwohl er mit einem völlig ekelhaften beeindruckenden Geräusch was-auch-immer von ganz weit unten hochholt, spuckt er allerdings höchstens 80cm weit.

Dann kommt eine Windböe. Und da der Spucker gerade besonders schwach und außerdem etwas nach oben gerichtet spuckt, bläst ihm der Wind den ganzen Kram ins Auge. Muahahahaha!!

h1

150% Mensch

24. März 2009

In der Straßenbahn sitzen hinter mir zwei Jungs mit Migrationshintergrund, wie man so schön politisch-korrekt sagt. Ihre Mathe-Kentnisse sind beeindruckend:

Typ 1: Und Du bist halb Spanier und halb Deutscher? Das ist aber auch selten. Hier sind immer alle türkisch oder deutsch oder deutschtürk.

Typ 2: Doch Mann, da gibts noch viel mehr. Ich hab ne Freundin, die ist sogar halb spanisch und halb dominikanisch und halb deutsch!

h1

Ja is denn heut schon… Fasching?

17. Februar 2009

An der Straßenbahnhaltestelle stand heute ein etwa 14jähriges Mädchen, das trug schwarzweiß geringelte Kniestrümpfe über einer lila Legging, lila Chucks, dazu eine schwarze Blousonjacke und um den Hals etwas, das wir in meiner Jugend „Arafat-Tuch“ nannten, dessen aktuelle politisch-korrekte Bezeichnung mir aber unbekannt ist.

Erst dachte ich, ja klar, Faschingszeit, aber ich fürchte, das Mädchen läuft immer so rum.

Ich rätsle auch noch, ob das Schwarze, das sich etwa auf Hüfthöhe befand und das sie gelegentlich etwas herunterzog, ein Rock oder der Bund ihrer Jacke war.

Übrigens komme ich mir bei diesem Rätsel sehr alt vor.

h1

In Amäärika scheint die Sunn!

9. Februar 2009

Heute Morgen, 7.50 Uhr an der Straßenbahn-Haltestelle. Leichter Schneefall. Ich stehe im Haltestellen-Häuschen. Neben mir ein leidlich gepflegter Mann (M), ca. 60 (oder 10 Jahre jünger oder 10 Jahre älter), den ich schon in der örtlichen Trinker und/oder Obdachlosen-Szene gesehen habe, die unwesentlich jüngere Frau (F) neben ihm ist offensichtlich mit ihm zusammen unterwegs.

F: In Amäärika scheint die Sunn.

M: Jaja.

F: Und da gibt’s auch kääne Betreuer.

M: Ja, da ist halt alles besser.

F: Aber Du brauchst ja ään Betreuer, weil Du hast ja des gesundheitlische Problääm. (Sie zeigt auf seinen Unterleib)

M: Ich hab kein Problem. Ich bin kerngesund.

F: Nää, Du hasch des Problähääm!

M: Nein, kerngesund bin ich!

F: Nähää!

M: Ja, ich hab das am Hoden. Aber das ist kein Problem.

F: Aber Du willsch doch die Toodesspritz deswäägen, hast Du gesagt!

M: Nein, ich will keine Todesspritze!

F: Doch, hast Du gesahagt! Wääge däm Problähääm! Weil Du LEI-dest!

M: Ich leide nicht. Jedenfalls nicht deswegen. Das ist nur lästig, aber deswegen leide ich nicht.

F: Dohoch!

M: Nein, an der Gesellschaft leide ich! Deswegen will ich die Todesspritz! Ich hab keine Lust mehr auf die Gesellschaft!

F: Darum gähä mer ja fort von derre Gesellschaft. Darum lasse mer ja de Reisepass mache.
Gut, dass isch ä Wohnung hab in Amäärika. Isch hab nämlisch ä Haus in Amäärika!

M: Jaja, das glaub ich Dir.

- Pause -

F: Da kommt die Linie Zwää. (Die Linie 4 fährt ein)

F: Warum is des dann die Vie-ah? Des is schon die zwääte Vie-ha, wo bleibt dann die Zwää? Nää, da kummt auch noch die Ääns, wieso dann diehie??

Endlich. Das ist meine Bahn.

Der kleine Wichser Mensch mit Migrationshintergrund, der neben dem Häuschen steht, gibt mir noch ein „Tschüss, Du deutsches Arschloch“ mit auf den Weg. „Du mich auch“, denke ich und laufe weiter, als hätte ich ihn nicht gehört. Freak-Show am Vormittag…